Bühl 2050

buehl_2050So stelle ich mir Bühl in gar nicht allzu ferner Zukunft vor.

Erleben Sie mit mir, wie wir im Jahre 2050 unser schönes Bühl mit den öffentlichen Verkehrsmitteln geniessen und bewundern:

Die beste Orientierung haben Sie, wenn Sie ihr Hybrid-Auto auf der obersten Etage des siebenstöckigen Parkhauses am Tennisplatz abstellen und dann mit dem Lift auf die Aussichtsplattform „Alpsea-View“ hinauf fahren. Eindrucksvoll nicht nur der Blick auf den See, sondern auch hinunter ins Seifenmoos. Leider haben die Chinesen 2047 noch einen höheren Aussichtsturm gebaut. Die Bühler Aktivgruppe „Alpsee forever“ hat daraufhin mit einer Fesselballon-Kanzel geantwortet, die bis auf 10.000 Fuß hochgekurbelt werden kann. Bei wolkenlosem Himmel sieht man die Frauentürme in München und die Insel Mainau.
Aber auch die grünen Inseln im Bühler Häusermeer, die Bauernhöfe, die damals 2014 wie heute jeder Investition die kalte Schulter zeigen und nach wie vor die letzten Grünflächen im Ort wie einen Augapfel hüten.

Hat man einen ersten Überblick gewonnen, steigt man im Tiefgeschoß des Parkhauses in die U-Pendelbahn Richtung Bhuddi-Station. Bereits eine Station weiter steigen wir aus und fahren die Rolltreppe hoch. Dort erwartet uns das „Alpsea-House-Space-Lab“. Eine tolle Show von Präparaten aller Tiere und Pflanzen, die bis ins Jahr 2014 dort gelebt haben, aber
den ehrgeizigen touristischen Plänen von „Alpsea forever“ weichen mussten. Es ist der Weitsicht eines damaligen Naturschützers zu danken, dass die Fauna und Flora des Alpsees erhalten blieb. Es traf sich gut, dass damals ein Bürgermeister in Immenstadt die Badeanstalt am Kleinen Alpsee platt gemacht und den See renaturiert hat. Es gelang diesem hochaktiven Naturschützer seinerzeit mit einer Petition, die bayerische Staatsregierung zu zwingen, den Kleinen Alpsee zum Biosphärenreservat zu erklären und die Tier- und Pflanzenwelt des Alpsea in dieses Reservat umzusiedeln. Noch heute ist dieses Reservat das meistbesuchte Ausflugsziel der Bühler Feriengäste. Es ist ans U-Bahn-Netz angeschlossen. Besonders empfehlenswert dort ist ein Besuch des Rolf-Grebenstein-Memorial. Es erinnert an Ideengeber und Motor der legendären Truppe „Rettet den Alpsee“, die seinerzeit mit viel List und Öffentlichkeitsarbeit versuchte, die Ufer des Sees „gästefrei“ zu halten.

Nach dem Aufenthalt im Alpsea-House geht es mit der U-Bahn weiter. Schnell wird nun klar, warum die Bühler U-Bahn die einzige auf der Welt mit Glasdach ist. Am Hafen des Ferienortes beginnt die sechs Kilometer lange Glasröhre, in der der Wasserstoff getriebene Zug langsam auf dem Grund des Sees dahin gleitet. Mitten im See dann die Einfahrt in das hermetisch abgetrennte „North-Sea-Waterworld“, einer einzigartigen Tourismus-Attraktion. Denn dort schwimmen all die Fische und Meeresbewohner, die damals von Rolf Grebenstein aus der sterbenden Nordsee gerettet wurden. In einer beispiellosen Aktion wurden sie damals vor dem Tode gerettet und in dieses gläserne Salzwasser-Aquarium im Alpsea umgesetzt. So blieben die letzten Spezies der Nordsee als Attraktion für die Bühler Gäste erhalten.

Wieder zurück am Ufer bietet sich die Chance ländliche Gerichte aus dem Allgäu zu probieren. Obwohl im Gasthof Alpsea, einst vom legendären Künstler-Koch Franz Braun geführt, nun eine chinesische Gourmet-Kette das Sagen hat, gibt es dort immer noch Leberkäse und Semmelknödel.

Weiter geht es nun auf Stelzen weiter im Sea, wie einst mit der Hochbahn in Wuppertal. Rechts ein Blick auf den Campingplatz, auf dem man inzwischen auch ohne Zelt und Wohnwagen übernachten kann. Wegen dies großen Erfolges wurde das Dach der Seebühne an Hafen weitergeführt und überdeckt nun auch die Campingplatz. Seit einigen Jahren genügt es, lediglich mit Schafsack anzureisen. Für modische und sportliche Kleidung sorgt gleich nebenan das neue „Alpsea-Outlet“, das vor einigen Jahren in Bühl eine neue Heimat gefunden hat. Der Campingplatz wird übrigens einmal im Jahr komplett geräumt. Dann findet das Sea-Nachtsfest unter dem Zeltdach statt.

Bei der Fahrt mit der Stelzen-U-Bahn eröffnet sich übrigens links ein grandioser Blick auf die im Sea schwimmenden Viehweiden, die damals erfunden wurden, als in Bühl immer mehr gebaut wurde und das Vieh keinen Platz mehr zum Fressen hatte. Diese schwimmenden Grüninseln mit dem satten Gras, dem weidenden Allgäuer Braunvieh und der drum herum kreisenden, inzwischen zum Weltkulturerbe ernannten Lädine, sind ein weltbekanntes Motiv für den Kurort Bühl im virtuellen Universal-Net.

Ein Relikt aus alter Zeit kommt nun ins Blickfeld: Umringt von Pensionen, Gasthäusern und Hotels liegt da die sogenannte „Rettet den Alpsee-Badewiese“, die damals von der Bürgerinitiative mit Klauen und Zähnen verteidigt wurde, obwohl sie gar nicht in Gefahr war. Doch das erfuhren die wegen des zähen Informationsflusses erst Jahre später.

Bevor wir nun Bühl hinter uns lassen, wechselt die Stelzenbahn vom Sea hinüber über den vierspurigen Bhudda-Highway. Der war um 2020 zusätzlich zur Umfahrung-Hub-Ost gebaut worden, weil auf Gut Hochreute seitdem ganzjährig Seminarbetrieb ist und alle bis zum Gut Hochreute fahren wollen.

Von hier aus können wir auch noch einen Blick auf ein langjähriges Sorgenkind der Bühler Tourismusgeschichte blicken. Das sogenannte „Alpsea-Chalet-Hotel“. Es wurde 2016 gebaut und sollte ein Leuchtturm für den Bühler Tourismus werden. Doch nach anfänglich hohen Belegungszahlen wurde es sehr schnell ruhiger um dieses Projekt. Und als die Erbauer und Betreiber in einer Nacht- und Nebelaktion das Allgäu für immer verließen, stand es jahrelang da und verkam immer mehr zu einer gelegentlich genutzten Ferienwohnungsanlage. Erst Bürgermeister Tobias Paintner hatte 2031 die zündende Idee: Er machte aus dem Chalet-Hotel ein „Rolladen-Museum“. Seither ist wieder Leben in der Bude.

Hier endet die U-Bahn-Tour durch den Ferienort Bühl im Jahre 2050. Demnächst laden wir Sie ein, den Kurort Bühl, der inzwischen so viele Übernachtungen vorweisen kann, wie Oberstdorf und Oberstaufen zusammen, zu Fuß zu entdecken. Es gibt noch viel zu sehen – freuen Sie sich drauf.

1 Kommentar zu Bühl 2050

  • Herbert Waibel

    Lieber Richard,
    Du bist ein herrlicher Geschichtenerzähler. Ich bin aus dem Schmunzeln garnicht herausgekommen …
    Herbert